geDicht am Markt
Contracting und Elektromobilität sind zwei Topthemen in den Chefetagen vieler Energieversorger. Wer den Anschluss nicht verpassen möchte, muss auf diesen Gebieten etwas vorzuweisen haben. Dipl.-Ing. Christoph Langel berichtet im ersten Teil über Contracting, Dr. Susanne Stark im zweiten Teil über E-Mobilität.
Contracting
Es ist erstaunlich: Seit fast 20 Jahren gilt Contracting als Beschreibung für komplexe Energiedienstleistungen aus einer Hand und doch wird immer wieder mit dieser „modernen und innovativen“ Form der Energieversorgung geworben. Gerade jetzt stehe sie am Durchbruch, werde sich der Markt neu ordnen und überhaupt sei Contracting der Schlüssel zur Erfüllung der immer strengeren Anforderungen an Energieeffizienz.
Woraus nährt sich dieser Jungbrunnen, wie kann sich ein Produkt so lange attraktiv erhalten und tatsächlich vor einer neuen Sympathiewelle stehen? Die Antwort auf die Frage ist recht einfach: Zu jeder Zeit suchen Menschen Partner, die komplexe Themen übernehmen und zuverlässig abwickeln, insbesondere dann, wenn sie nicht zur eigenen Kernaufgabe gehören. Die Rahmenbedingungen haben sich jedoch gewandelt.
In der Zeit vor der Liberalisierung der Energiemärkte (vor 1998) stand der Servicegedanke im Vordergrund. Einen Preiswettbewerb gab es nicht. Die Notwendigkeit, alte Energieanlagen zu ersetzen, war weit verbreitet, denn die Neuanlagen der Aufbauzeit nach dem Krieg (aus den 1950er- und 1960er-Jahren) hatten das Ende ihrer technischen Lebensdauer oftmals erreicht. Mit dem aufkommenden Wettbewerb gewann der Effekt der Kundenbindung an Bedeutung. Hatte man erst einmal eine tragfähige Beziehung aufgebaut und über die Anlage einen regelmäßigen Berührungspunkt, war auch die Bereitschaft für eine Fortsetzung der oft langjährigen Beziehung gegeben.
Allerdings wurden hier auch Nachverhandlungen der Preiskonditionen erforderlich, zu groß waren die wettbewerbsbedingten Veränderungen. Heute hat die Bedeutung von Energieeffizienz auch durch die europäischen Gesetzgebungsprozesse (z.B. Energiedienstleistungsrichtlinie) enorm an Bedeutung gewonnen. Viele Unternehmen sind nicht im Stande, die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen nachzuhalten und vertrauen sich gerne einem Experten an – allerdings unter knallharten Wettbewerbsbedingungen.
Dabei gibt es zwei Gruppen von Kunden. Jene, deren Energiekosten am Gesamtumsatz < ca. 3 % ausmachen, haben weniger Priorität auf diesem Thema und nur selten eigene Fachkompetenz – zu dringend sind die naheliegenderen Themen des Tagesgeschäftes. Kunden, bei denen Energie einen existenziellen und deutlich spürbaren Stellenwert besitzt, sind hier wesentlich kompetenter aufgestellt.
Für beide Gruppen ist eine optimale fachgerechte Beratung entscheidend. Mindestens ebenso wichtig ist der Aufbau einer Vertrauensbasis, auf der man sich in ein mehrjähriges Geschäft einlassen kann.
Elektromobilität
Elektromobilität hat sich für einige Stadtwerke zu einem breiten Betätigungsfeld entwickelt. Ob es sich auch zu einem interessanten Geschäftsfeld entwickelt, lässt sich heute noch nicht abschließend bewerten. Dennoch müssen Stadtwerke in naher Zukunft die Entscheidung treffen, ob sie sich mit der Thematik Elektromobilität auseinandersetzen wollen, ob sie Marktchancen identifizieren und ob und wie sie das Feld strategisch besetzen können. Interessant ist das Thema Elektromobilität allemal, wirbelt es doch bekannte Märkte erheblich durcheinander. Zwei grundsätzliche Neuerungen zeichnen sich ab: Zum einen wird die Bedeutung einer einzigen Komponente, der Batterie, entscheidend für die Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit der Elektromobilität werden. Diese Komponente ist aber nicht mehr zwangsläufig mit der Herstellung des Fahrzeugs verbunden, sodass die Zahl der Anbieter von Elektrofahrzeugen voraussichtlich deutlich größer und vielfältiger wird.
Als zweite wesentliche Änderung kommen die Energieversorgungsunternehmen als Player im Mobilitätsmarkt ins Spiel. Die Versorgungsunternehmen sehen sich dabei nicht nur in der Rolle der Stromlieferanten, sondern auch in der Verantwortung, die notwendige Ladeinfrastruktur für die Elektrofahrzeuge aufzubauen. Mit Preisen von bis weit über 10.000 € inkl. Installation, Abrechnung und Instandhaltung pro Ladesäule handelt es sich dabei um eine Investition, die sich auf Jahre hinaus über den Stromverkauf alleine nicht amortisieren wird. Ohne öffentliche Förderung wird sich die Elektromobilität aus diesem Grund schwer entwickeln können.
Langfristig ergeben sich für den Nutzer sowie für die Umwelt erhebliche Chancen. Der Nutzer wird mit deutlich geringeren Preisen im Unterhalt der Fahrzeuge für den hohen Anschaffungspreis und den Verlust an Reichweite entschädigt. Für 100 km sind derzeit nicht viel mehr als ca. 3 € aufzubringen, die Reichweiten liegen allerdings derzeit nur bei etwa 100 km, die Anschaffungspreise der PKW zwischen 20.000 € und 40.000 €.
Die Umwelt profitiert, weil Emissionen vor Ort ganz wegfallen und überregionale Emissionen – je nach Energiemix – deutlich reduziert werden. Die Stadtwerke Düsseldorf und zahlreiche andere Versorgungsunternehmen bieten ausschließlich Ökostrom an ihren Ladesäulen an, sodass dort echte „Null-Emissions- Fahrzeuge“ unterwegs sind. Die Lärmminderung in den Städten ist ein weiterer erheblicher Pluspunkt, das leise Surren der Fahrzeuge ist nicht zu vergleichen mit dem Lärm der Verbrennungsmotoren.
Alles in allem bietet die Elektromobilität überaus interessante Aussichten und die Zukunft wird zeigen, wie schnell sich der Markt entwickeln wird. Die Energieversorgung ist bereit, ihren Part zu übernehmen und für die Ladeinfrastruktur zu sorgen.
CLangel@swd-ag.de
SStark@swd-ag.de
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